Vor ein paar Wochenenden war ich die Nacht von Freitag auf Samstag das erste Mal auf einer LAN-Party, die grösser war als eine Haus-LAN mit maximal acht Leuten: die AMIV-LAN, organisiert vom namensgebenden Verein der Maschinen- und Elektroingenieure an der ETH. Als Gäste ware noch die Informatiker, und wir Mathematiker und Physiker eingeladen. Hier ist direkt ein Foto vom Event. Es waren erstaunlich viele Leute mit Desktop da, dafür dass Laptops mittlerweile so leistungsfähig sind wie die Desktops aus der Zeit meiner ersten LANs. Aber vielleicht stand bei der Entschiedung “Laptop vs Desktop” die Geräteklasse mit den höheren Protzfaktor im Vordergrund.

Prestige und Angebrei, das ist ein Aspekt der bei jedem Event mit mehreren Fachvereinen hier immer eine Rolle spielt. Ich weiss ja nicht, wie das bei anderen Unis ist, aber hier an der ETHZ scheinen die Fachvereine für viele so eine Art “softcore Verbindung” zu sein, und alle sagen immer dass die jeweils anderen Fachvereine doof sind. Genauer habe ich aber das Ökosystem mangels eigener Aktivität beim Fachverein nicht verstanden. Scherzhaft griff aber die einführende Impress-Präsentation das Thema auf: bei dieser Veranstaltung gehe es darum, welcher Fachverien den grössten “E-Penis” hat.

Das Kräftemessen ging los mit einem “Age of Empires II”-Turnier, in Zweierteams im Fussball WM Format. Mein Team hat ein Spiel gewonnen und sonst nur verloren, aber der Spass war auf jeden Fall gross. Das Spiel habe ich seit ca. 8 Jahren nicht mehr gespielt. Im Finale gab es auch einen Kommentator, der sogar sehr gut und lustig war! Das Finale war spannend und unterhaltsam, der Elfjährige in mir war schwer beeindruckt von den angewandten Strategien (Schloss vor der Basis vom Gegner bauen und so). Gewonnen hat am Ende ein Team aus Informatikern, der Preis war eine Flasche Whisky.

Pünktlich gegen Mitternacht trafen dann auch die obligatorischen “Gaffer” ein, die sich in angeheitertem Zustand über das Event lustig machten und wie im Zoo zuschauten mit Mottos von “Schau mal was das für Geeks sind!” über “Aus dem Alter bin ich schon raus aber früher hätte ich die alle fertig gemacht!” bis “Man die sehen gar nicht aus wie so richtige Geeks. LAAAANGWEILIG!”. Als sie auch noch anfingen unser Essen zu verdrücken, haben wir sie aber vertrieben.

Der Zweite Teil der Veranstaltung war ein “Call of Duty 4”-Turnier, nach selbem Schema aber in Viererteams. Wir spielten den aus “Counter Strike” bekannten Modus mit den Terroristen und der Anti-Terror-Einheit, damit die CS-Fans nicht zu viel rumnörgeln können. Hier gewann diesmal ein Sqaud aus Elektroingenieuren. Wir vom VMP (Verein der Mathematiker und Physiker) holten leider keinen Whisky nach Hause.

Der VMP hatte am Ende vielleicht nicht den grössten “E-Penis”, aber wir haben in einer anderen Kategorie haushoch gewonnen: zwei Drittel der weiblichen Teilnehmer waren vom VMP. Insgesamt waren es drei.

Am Ende des Artikels noch ein paar persönlichere Endrücke. LAN-Parties werden bei mir immer weit oben auf der Liste der Dinge, die am meisten Spass machen stehen, aber ein Faktor ist für den Spass nochmal ganz besonders wichtig: alle müssen auf dem selben Level sein. Es ist ja toll, wenn so viele Leute da sind, aber wenn zwei Drittel von denen einen eh nur bashen und immer gewinnen kommen die Endophine nicht ganz so stark hoch. Da ist eine Haus-LAN mit Freunden, die ca. nur so oft zocken wie man selber doch besser. Auch ist interessant, dass für LANs eigentlich nur ältere Spiele in Frage kommen, da die immer noch viel Spass machen, leichter zu “beschaffen” sind und neue Spiele meistens nicht für den lokalen Multiplayer ausgelegt sind. Das Phänomen “LAN-Parties” hat seinen Zenit längst überschritten. Aber egal, dann spielt man halt die alten Spiele! Macht auf jeden Fall mehr Spass, als alleine im Kämmerlein im Internet zu zocken. Ich hoffe, dass unsere Kinder das noch erleben dürfen!